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Zaghafte Frühlingsgefühle

Hej allihopa!


Es wird wieder Zeit für ein paar Zeilen! Und da es bereits ein Weilchen her ist seit dem letzten Eintrag, wird es sicherlich ein laaanger Text - Jeannette-style eben ;-) 

Jetzt könntet ihr hier also noch aufhören mit lesen………….


… zu spät….


CAFÉ

In den letzten 3-4 Wochen lag unser Fokus, arbeitstechnisch und energetisch ganz auf der Wiedereröffnung des Café’s!

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Es galt den Wintermief rauszuputzen, die Dinge wieder an ihren angedachten Ort zu bringen, Menu-ideen auszuprobieren, einzukaufen, nochmals einkaufen und vor allem den Schnee schmelzen zu lassen oder besser vor dem Eingang wegzupickeln und wegzuschaufeln! Nach der langen Winterpause kaum sogar richtig Freude auf - das Café ist etwas, dass wir mit Begeisterung tun - auch wenn es viel Arbeit bedeutet und es oft auch „sein muss“, da wir unser Haupteinkommen damit erwirtschaften, hauptsächlich an den Wochenenden und in der schönsten Jahreszeit  - aber Gastgeber sein, gute Rohwaren zu feinen, authentischen und genüsslichen Speisen zu verarbeiten, Gespräche zu führen, Menschen zu begegnen und Überraschungen zu erwarten - das ist doch voll unser Ding ;-)

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Und dann war es endlich soweit! Am Karfreitag durften wir eine aufgestellte Familie zum Geburtstags-Mittagsbuffet begrüssen und ab Karsamstag starteten wir mit dem à là carte-Betrieb! An Ostern selber schneite es nochmals, es war innen und aussen sehr ruhig und am Montag machte sich zum ersten Mal der Frühling so richtig bemerkbar und wir wurden auch in der Küche so richtig gefordert und hatten es aussergewöhnlich warm :-D 

Ein fulminanter Saisonstart eigentlich und trotz grosser Nervosität und einer nach wie vor eingeschränkt bewegungsfähigen Teamplayerin Seraina haben wir es hervorragend hingekriegt! Wir waren erleichtert und auch etwas stolz über die vollbrachte Leistung und wie schnell wir wieder drin waren in den Arbeits-Abläufen! Und zufriedene Gäste, bekannte Gesichter aus dem letzten Sommer, welche sich mit uns gefreut haben und lobende Worte waren Balsam für Ohren, Herz und geplagte Füsse!

Am Dienstag nach dem Oster-Sturm wurde mit vereinten Kräften alles geputzt, aufgeräumt und richtig montiert, denn die Lebensmittel-Hygiene-Inspekteurin hatte sich zum alljährlichen Kontrollbesuch angemeldet!

Meine Nervosität war übermässig, alles wollte ich perfekt haben (und ich wusste gleichzeitig, dass mir dies nicht gelingen kann und wird!)! Doch mein Ziel war es zumindest, dass auf den ersten (und auch den zweiten!) Blick ersichtlich sein soll, dass wir uns den Gesetzesgrundlagen, den Abläufen, Vorschriften und auch unseren (vorallem baulich bedingten) Betriebsschwächen bewusst sind und daher ganz genau wissen, warum wir was wie tun!

Und - es gelang uns vollauf! Die Besichtigung verlief ruhig und vor allem erfolgreich! Die Diskussion war lehrreich, bestätigend, interessant und auch wohlwollend, gespickt mit Verständnis und dem Blick für beide Seiten! Es hat mir so gut getan, auf dieser Ebene spüren zu dürfen, dass sich die Arbeit „auszahlt“!

Es ging Schlag auf Schlag weiter; am nächsten Tag besuchten uns zwei Mitarbeiterinnen der Kommune, welche sich um die Zulassung für den Alkoholausschank kümmern! Auch mit ihnen folgte ein spannendes, lehrreiches und sehr nützliches Gespräch, erneut gespickt mit dem Gefühl, dass uns eigentlich alle unterstützen und niemand uns grosse Steine in den Weg legen möchte! Nun heisst es vor allem eines; Alkoholgesetz büffeln (natürlich das schwedische auf schwedisch :-D ), die Prüfung absolvieren, die Polizei, den Rettungsdienst und nochmals die Gemeinde empfangen, viel viel viiiiiel bezahlen und dann hoffentlich, in 4,5,8 Wochen den ersten guten Tropfen Wein einkaufen - det löser sig!

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Seit wir wieder im Café-Modus sind, verändert sich der Juvengård-Alltag markant - es ist mehr hin und her, örtlich, gedanklich, energetisch und die Familie ist wieder etwas „gespaltener“ - wir hoffen sehr, dass wir diese Saison auch Flurina mehr vorne einbinden können! Unsere Sätze fangen desöfteren mit folgenden Einleitungen an; bei Heinrich heisst es: „Im Rössli Mogelsberg bei Sabine haben wir es so gemacht…..“ oder dann „s Grosi hed amigs…..“ und meine Sätze beginnen oft mit „im Meinradsberg haben wir jeweils…..“ oder „Erfahrung, Liebster, Erfahrung, 25 Jahre Gastronomie-Erfahrung“ ! Läck, werde ich langsam alt……

Und nicht selten kriegt mein „liebster Ex-Chef“ Christian Haller dann eine Nachricht von mir, eine Rezeptanfrage, eine Bitte um einen Tip oder weil ich einfach jemandem erzählen möchte, wie tolle Hummusburger mir gerade gelungen sind…… Freundschaft, Verbundenheit, gemeinsames Wirken verbindet eben, fern von Raum und Zeit! DANKE!

Es ist auch ein sehr nährendes Gefühl, dass wir mit unserem Betrieb sehr klima-smart, nachhaltig, ganzheitlich und regional ausgerichtet arbeiten können! Das qualitativ beste regionale Fleisch gibts von Måketorps styckeri gleich um die Ecke! Adele und Fredrik, ebenfalls ein innovatives Paar, dass nach ähnlichen Werten und Grundlagen handelt und arbeitet, erleichtern uns die Zusammen-Arbeit über die Sprach- und Fleisch-Stück-grenzen hinweg extrem. Herrlich war auch die Freude von Jennifer, der Bio-Gemüse-Bäuerin in der Nachbarschaft als wir uns nach der Winterpause wieder begegnet sind und fachsimpeln durften über Gemüseanbau, Hühnerhaltung und Earl Grey! Und neu habe ich nun mit der Kaffee-Rösterei im Dorf angebandelt sodass wir nun auch regional gerösteten Kaffee anbieten können!

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Tja, nebst Kochen, Ausprobieren und den Gästen ein Erlebnis auf verschiedensten Ebenen zu bieten, gilt es, mit dem Café unseren Lebensunterhalt zu verdienen, entsprechend bewusst zu wirtschaften! Und das ist nicht gerade leicht! Das Gebäude schluckt viel Energie, die Geräte verschlucken noch mehr Energie, wir haben einiges investiert, unser ganzes Kapital, materiell, ideell, energetisch und all unser Herzblut liegt inzwischen hier auf diesen 7 Hektaren Land verstreut……..

Der erste Buchschluss bzw. der Besuch bei der Treuhänderin war daher nicht ganz ohne….. in harten Zahlen und Faktenaufstellungen gibt es eben keine Kontostelle für Risiko, für Mut, für Herzblut oder Arbeitseinsatz……

Zum Glück sind diese Faktoren aber doch zwischen den Zeilen ersichtlich und werden nicht nur von uns gesehen - wir bleiben also optimistisch - aufgeben gibts nicht!

Aber es kommen schon mal Zweifel auf und es flossen auch Tränen - kann es denn sein, dass sich 12, 14, 16, 18 Stunden täglicher harter Arbeit, körperlich und energetisch, der Mut und das Risiko, untrüglicher Pioniergeist und Visionskraft, die Energie ganz für ein Projekt zu gehen, all das Wissen und die Erfahrung und soviel Herzblut nicht auszahlen??? Ein kleiner Frust, ein Dämpfer war es schon, die nackten Zahlen zu sehen, denn das Projekt müsste sich nach bald 2 Jahren hier dann doch auch materiell gesehen langsam in die richtige Richtung bewegen ( die Ressourcen, Ersparnisse und Anfangslorbeeren halten schliesslich nicht für ewig..) !

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JURTEN-GESCHICHTEN

Gerade eben hörten wir von Andrea aus dem CH-Jurtendorf, dass heute nachmittag der Spediteur eintreffen wird um vier wunderschöne neue Jurten aufzuladen und um diese nächste Woche hier auf Juvengård auszuladen! Wir sind unglaublich angespannt und nervös ob alles gut kommt, Transport, Zoll, 1650 km Weg……

Das Baugesuch liegt jedoch noch immer zur Bearbeitung auf der Gemeinde, uns liegt noch kein Beschluss vor…. Wie ein Jurtendorf baulich einzustufen ist, hinterlässt auch in Schweden grosse Fragezeichen auf der Stirn der Involvierten!

Bis anhin war dies besser zu verkraften, da die vorgesehene Jurtenwiese noch tief unter dem Schnee begraben lag, doch nun grünt es und damit wächst auch der Wunsch, endlich Jurtenböden und Fundamente zu bauen! Anfang Mai sollten uns schliesslich 5 Lieblings-Menschen aus dem Jurtendorf besuchen und beim professionellen Aufbau zu helfen…… Nun denn, auch hier ist aufgeben nicht drin! Wir vertrauen nach wie vor darauf, dass die Sterne uns wohlgesinnt sind und sich alles lösen wird - so wie es eben kommen muss! Bis dato haben wir hier sehr viel Wohlwollen und Unterstützung erfahren dürfen - es kommt schon gut!

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Was sicherlich schwierig bzw. nicht unbedingt erfolgreich zu vollenden sein wird, ist die Idee des Crowdfunding! Wir stehen bereits im Endspurt, die 60 Tage sind bald um und die erste Zieletappe liegt noch weit entfernt! Doch trotzdem sind wir von Herzen dankbar, jeder einzelnen Person, welche uns unterstützt hat, welche gewillt war, auf nicht alltägliche Weise sich einzulassen, welche an uns, unsere Kraft und Vision glaubt!

Es war uns von Anfang an klar und bewusst, dass es ausserordentlich schwierig sein wird, auf diese Art und Weise an materielle Unterstützung zu gelangen, aber wer uns kennt, der weiss, es musste einfach auf eine konventionelle Art und Weise sein und wir scheuen die Herausforderung nicht! Es war auch keinesfalls unser Ziel, unserer Familie und Freunden „das Geld aus der Tasche zu ziehen“ - wenn wir dies gewollt hätten, hätten wir sicherlich nicht so gehandelt wie wir es taten und gerade tun!

Wir wollten Menschen erreichen, vor allem neue Menschen und die bereits bekannten Netze weiter ins Aussen wachsen lassen, Samen säen, unsere Erlebnisse und Träume in die Welt tragen!

Natürlich schafft man sich somit nicht nur Freunde und bietet der Welt, vor allem der digitalen Seite unseres heutigen Daseins, all den Neidern und Pessimisten leicht und viel Angriffsfläche - viel Kritik kam durch den Cyberspace oder auch persönlich und wir haben sie als Lehrstück mit offenen Händen, Herz und Hirn entgegen genommen!

Mehr schmerzt mich das Unverständnis von einigen sehr geschätzten Herzensmenschen, welche sich auf unerklärliche Weise wohl plötzlich getroffen fühlten oder peinlich berührt oder angebettelt oder wie auch immer………. ich kann es noch nicht ganz einordnen!

Nun denn, Geldfragen sind nicht immer mit dem Herzen zu klären und Herzensangelegenheiten sind nicht immer global konform zu lösen!

Daher erachten wir die Erfahrung der Crowdfunding-Kampagne doch als grosser Gewinn, wir haben aufgerüttelt, geteilt, uns sicht- und verletzbar gemacht und sind stets unseren Werten und Träume treu geblieben, authentisch, aufrichtig, ehrlich!

Ich persönlich bin überzeugt, es hat und hatte einen tieferen Sinn und wir werden auch für unser Jurtendorf-Projekt eine entsprechende Lösung finden, auf materieller, finanzieller und gesetzlich konformer Ebene! Und eben, die 60 Tage sind ja noch nicht rum - Aufgeben gibts nicht!


DIE KÖNIGE

Seit mehr als 5 Wochen nun schon lebt die Familie König bei uns auf dem Hof! Sie haben sich im August 2017 aufgemacht und sind woofend (d.h. Mit-Arbeit geben Kost und Logis) von Hof zu Hof quer durch Deutschland gezogen mit dem Ziel, auf diese Weise bis nach Schweden zu kommen! Am 4.3. sind sie dann mit der Fähre in Sverige gelandet; zu einem eher schwierigen Zeitpunkt, da der Winter noch immer omnipräsent war und viele Arbeiten wetterbedingt eingestellt waren und eigentlich kein Hof sie aufnehmen wollte!

Ich hatte Micha’s Aufruf auf Facebook gelesen und die Idee, mit zwei Kleinkinder dieses Abenteuer einzugehen hat mich sofort berührt - da muss es Übereinstimmungen geben - Pioniergeister und Verrückte finden sich! Obwohl der Zeitpunkt auch für uns nicht ideal war, wollte ich der Familie einen Unterschlupf bieten, im Wohnwagen aus dem letzten Jahrtausend bei zweistelligen Minusgraden in Schweden, das geht ja gar nicht!

Wir vereinbarten, dass wir uns gegenseitig eine Chance geben und in offener Art und Weise mal sehen, ob und wie es kommt!

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Nun denn, das war vor 6 Wochen - und sie sind noch immer hier ;-) Auch wenn ein solch nahes Zusammenleben und Arbeiten Reibungsflächen bietet und die Bedürfnisse von einer Familie mit 2- und 5-jährigem Kind gegenüber den alltäglichen Bedürfnissen und Herausforderung mit unseren zwei Teenagern nicht zu vergleichen sind - es klappt sehr gut, wir reiben uns, wir klären, wir finden uns wieder und wir haben gemeinsam schon sehr viel erreicht und geschafft, dass wir momentan alleine nicht hingekriegt hätten! Heinrichs Gesundheit ist noch immer nicht stabil, mich plagt momentan meine Frühjahrssinusitis, Serainas Schlüsselbein braucht noch Schonung ect. daher sind wir dankbar um jeden helfenden Handgriff! Micha versorgt die Schafe und Hühner gewissenhaft und mit Freude und Phil als gelernter Schreiner weiss wie man eine Maschine in die Hand nimmt und geniesst die Arbeit draussen! Seraina ist so glücklich, endlich wieder kleinere Kinder um sich zu wissen und diese gemäss ihrem Löwen-Instinkt zu leiten (weisch Mami, wie früehner im Bügelhof! ) und auch Flurina mag die Familie sehr! Sehr viel Spass und Lernfeld hat auch unser Jungrüde Finn, der in Muna, der Rhodesien Ridgeback-Hündin der Familie endlich eine Spielkameradin gefunden hat!

Nun, wir und sie haben viele Ideen und wer weiss, wie lange unser gemeinsamer Lebens- und Arbeitsweg noch anhalten soll und darf.


LANDWIRTSCHAFT

Der Winter - er dauerte lange, der Schnee kam sehr spät und die Schafe können es kaum erwarten, endlich wieder auf die Weide zu kommen!

Glücklicherweise hatten wir - auch dank unseren zwei Heutristen - keinen Futtermangel zu beklagen; ganz abgesehen vom Brennholz-Mangel! Es war äusserst knapp mit Brennholz in diesem Jahr, rundherum wurde gejammert! Nur dank meiner Stärke zur Beziehungsarbeit und dem Wissen und dem Mut, da anzuklopfen wo viele Netze zusammenlaufen, haben wir nochmals einige trockene Scheiter auftreiben können! Also echt, nur einige, ca. 1,5 Kubik, in einem Holzland wie Schweden fast unvorstellbar……….aber es rettet uns über die hoffentlich letzten kalten Tage hier!

Vorgestern habe ich zum ersten Mal seit über 6 Monaten die Vedpanna (Kombiofen in der Küche) nicht eingeheizt, 18 Grad plus war es draussen wie drinnen, heute sieht es leider schon wieder anders aus - es bläst ein eisiger Wind über den Juven!

Momentan liegt der Fokus natürlich bei meinen kleine Saatpflanzen, welche im Balkonzimmer vor sich hin keimen und wachsen, der Boden im Garten ist noch immer durchgefroren. Auch die Rodungsarbeiten auf unserer Naturschutzwiese halten an, aber wir sind gut unterwegs und man sieht, was man tut! Mit all den geschnittenen Büschen entsteht nun eine Totholzmauer, welche einerseits Biotop, andererseits etwas Schutz für die Wiese bieten soll, auf welcher dann die Jurten zu stehen kommen!

Tja, und auch erste Schlachterfahrungen haben wir gesammelt, das erste Huhn wurde geschlachtet, bei welchem wir nicht nur Zuschauer oder Helfer waren! Nicht unbedingt eine tolle Erfahrung, aber eine Handlung bzw. Arbeit, welche auf einem solchen Hof auch erledigt und geschafft werden muss!

Nun hoffe ich sehr, dass die Temperaturen wie versprochen bald wieder steigen und der Boden zu tauen beginnt, damit die Garten-Schwerstarbeit in Gang gesetzt werden kann; umgraben, neues Hochbeet bauen, Fruchtfolge anpassen, Gewächshaus umgraben und ja, nicht vergessen, essbare Blüten und Blumen und Wildkräuter, soweit das Auge reicht soll es auch noch geben!


KINDER / ALLTAG / HUND / KATZEN / DER NORMALE WAHNSINN

Wie schon geschrieben, Seraina hat ihr Schlüsselbein verletzt, im jugendlich-löwigen Feuer, wie immer! Das schränkt sie körperlich und auch im Kopf ein, wohin nur mit all der Energie?!?! Sie steckt sie gerade ins Lernen, die nationalen Prüfungen gilt es zu schreiben, heute war beispielsweise Chemie an der Reihe! Gerade in den naturwissenschaftlichen Fächern hatte Seraina im Vergleich zum Schweizer Stoffplan extrem grosse Lücken! Das praktische Laborarbeiten, fächerübergreifende Projekt (wie Roboterbau in der Gruppe z.B.), das war ihr weitgehend fremd! Aber inzwischen ist sie überall mehr als gut dabei! Der Löwe führt sein Rudel ;-) 

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Was ihr noch etwas aufliegt ist einer der schwedischen Nationalsportarten - Orientierungslauf! Kartenlesen wird hier schon in der Förskola geübt und gelernt! Doch ich bin überzeugt, auch dies wird unser Fräulein noch packen! Und dann geht es hoffentlich nach den Sommerferien aufs Gymnasium in der Stadt!

Flurina hat inzwischen eine neue Brille, schielt aber leider wieder vermehrt und da fehlt es manchmal schon an den langjährigen guten und hilfreichen Kontakten in der Schweiz! Da wusste ich immer, für welchen Bereich ich bei wem anklopfen kann! Hier alles wieder aufbauen an Betreuung, Unterstützung, Fachkraftnetzwerk ect. das dauert und braucht Zeit, Geduld und Nerven! Bis dato ist uns auch noch kein anderer Williams-Beuren-Mensch hier begegnet! Es gibt zwar auch eine schwedische Vereinigung und ich habe schon mehrmals versucht, diese auf unterschiedlichen Kanälen zu kontaktieren, aber bis dato ohne grosses Feedback oder Erfolg! In einem Land dieser Distanzen ist dies halt auch schwierig! Da muss ich manchmal schmunzeln, wenn wir die „Distanzproblematik“ bzw. den Abstand zwischen Genf und Bodensee und alles dazwischen in der Schweiz zum Anlass zur Diskussion machen mussten………. Nun denn, dank Handy und Videotelefonie ist der Abstand zwischen Serainas Freundin Flavia in der Schweiz und unserem Teeniegirlie hier nicht mehr ganz so gross! Das Beste bleibt jedoch nach wie vor der Umstand, dass Flurina ihre Schule und ihre neuen Bezugspersonen da so sehr mag! Am letzten Sonntagnachmittag reisten die Mädchen extra nach Alstermo um einen der Klassenassistenten (also ehrlicherweise ist er DER Klassenassistent, ein herrlicher junger Mann) bei einem Handballspiel anzufeuern! Coole Idee, toller Nachmittag, schöne Erfahrungen!


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Mit unserem Hund Finn geht es seit letzter Woche nun wieder in den Junghundekurs! Nach anfänglichen Schwierigkeiten klappt es inzwischen ganz gut mit ihm! Er ist zwar immer noch sehr agil und lebendig, braucht seinen Raum, Aufmerksamkeit, Zuwendung, Auslauf und Aktivität aber er lernt und lernt und lernt - ein sehr wissbegieriger und lernfähiger Kerl ist unser Finn und jede Arbeit mit ihm lohnt sich - richtig schön! Wir lieben ihn alle!

Die neuen Jurtendorf-Büsis sind echt gross geworden und es wird Zeit, dass die Jagdsaison nun losgeht! Sie sind sehr verfressen und können einem richtig terrorisieren mit ihrem gierigen Gejaule und Miauen……..Raubtierfütterung im Hause Schwyter ist eine echte Herausforderung!


Nun, jetzt wurde das echt viel hier und ich denke, es reicht euch langsam auch!


Ich hoffe sehr, dass der Frühling DICH gefunden hat, DIR das Herz wärmt, neue Energie und Leichtigkeit bringt und nährend wirkt!


Wir hier auf Juvengård jedenfalls saugen das erwachende Grün richtiggehend auf, heute gab es die ersten kleinen Gierschpflänzchen im Salat und wir freuen uns, wenn auch die Wellen des Juven’s wieder tiefblau und gleichmässig ans Ufer schlagen - der letzte Eisrest hält sich hartnäckig!

Die Kraniche sind schon da, die ersten Gänse auch und das Gebalze hat schon begonnen! Auf in das Leben!



Herzlichst Jeannette

XI. Kaiserwetter


God morgon aus Juvengård


Montagmorgen, kurz vor 6 Uhr! Die Sonne geht gerade auf, der Himmel ist in Zartrosa-Apricot getaucht und ach, es tut so gut! Wärme, Nahrung für die Seele und den arg in Mitleidenschaft gezogenen Vitamin D-Spiegel! Die Sonne hat uns etwas gefehlt in diesem Winter und der Schnee kam zwar, aber meiner Ansicht nach, mindestens 1 Monat zu spät - da er jetzt, heute am Sepplitag noch immer hartnäckig und sicherlich noch 40 cm hoch liegt……

Doch der Frühling kommt schon noch - er kam doch noch immer :-) Er muss es nur ganz schnell tun, denn unser Holzvorrat wird langsam aber sicher - nach über 6 Monaten Heizperiode -  äusserst knapp…………

Gerne verwöhne ich euch daher heute hier mit einigen Bildern vom gestrigen sonntäglichen Kaiserwetter! Und vielleicht hat der eine oder andere ja auch am letzten Freitag den Einsiedler Anzeiger gelesen! Wie toll, dass wir von sovielen verschiedenen Seiten Unterstützung und Wertschätzung erfahren dürfen! Tusen tack!


Bericht im Einsiedler Anzeiger vom 16. März 2018


Hier kommen also die gestrigen Bilder des Kaiserswetters - geniesst es eller njut av! 

Herzliche Grüsse von Juvengård, guten Start in die neue Woche und lasst es Euch gut gehen! Ich gehe jetzt spazieren ;-)

Jeannette und Gang


PS; für alle, welche nicht wissen, was wwoofen ist oder mehr über unsere Gastfamilie erfahren wollte - seid herzlich eingeladen auf den Blog von Micha, Phil, ihren Kindern und Hund Muna! 

X. Unterstützung aus der Heimat


Hej igen!


Ich habe ganz vergessen in unserem vorherigen Eintrag zu erwähnen, dass wir für unser Projekt Jurtendorf auch grossartige Unterstützung aus der alten Heimat erhalten haben!

Im Marchanzeiger vom 7. März ist ein Artikel über unser Vorhaben erschienen!

Gerne stelle ich Euch diesen hier zur Lese-Verfügung - für alle Nicht-Märchler :-)


Marchi 7.3.


Herzlichen Dank an Patrizia Pfister, dass auch du ein klein wenig vom „Juvengård-Fieber“ infiziert bist :-)

Varma hälsningar från oss på Juvengård!

Jeannette



IX. Mutausbruch Crowdfunding und Youtubekanal!



Ein herzliches Hej Hej!




Die Zukunft gehört denen, 

die an die Wahrhaftigkeit und Schönheit ihrer Träume glauben.

frei nach Eleanor Roosevelt



Wir haben es tatsächlich getan ;-) Mehrere Wochen lang haben wir unser Crowdfunding-Projekt vorbereitet und heute vor 2 Wochen ging es dann endlich online!




Dieses Bild passt wie die Faust auf’s Auge, denn es benötigte eine riesige Extraportion Mut um unser Projekt und einen solch grossen Schritt in einer doch bittenden Haltung an die Öffentlichkeit zu tragen! Wir sind zwar durchaus schon als semi-professionelle „Mut-Ausbrüch-ler“ einzustufen :) So haben wir in dieser Disziplin bereits jahrelange Erfahrung und steigen kontinuierlich auf was den Schwierigkeitsgrad anbelangt ;-) und dennoch

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Wie oft haben wir im Zuge unserer Auswanderung gehört - was seid ihr mutig - und wie wenig haben wir uns selber als mutig empfunden! Doch in der Reprise gesehen wissen wir nun exakt, dass wir doch mutig waren (und noch sind) und es ohne Mut (und ohne viele andere verwegene Eigenschaften wie Ausdauer, Selbstwert, Abenteuerlust, Verrücktheit, Geduld, Unbeschwertheit und dem unbeirrbaren Glauben an seine eigenen Träume) einfach nicht geht…………. :-)

Auch nach bald 2 Jahren Leben in Schweden, in einem total neuen Lebensumfeld ist MUT die Eigenschaft, die die wir am häufigsten - nebst Geduld und Disziplin - im Alltag abzurufen haben!

Mut braucht es noch immer beispielsweise auf Schwedisch zu telefonieren, es braucht unheimlich viel Mut, völlig fremde Menschen um Hilfe zu bitten, soviele erste Mal zu bewältigen ( dies reicht von Schafe scheren, Quad fahren, Bäume fällen, Hühner anschaffen über ein Geschäft eröffnen, schwedische Chorproben besuchen, in einer neuen Sprache kommunizieren bis hin zu Fremde im eigenen Zuhause empfangen und neue Pflanzmethoden auszuprobieren), es braucht Mut sich zu zeigen und (öffentlich) seinen Träumen zu folgen, täglich noch etwas weiterzugehen... auch wenn diese unsere Ideen teilweise schamlos zerrissen, belächelt oder klein geredet werden! 

Was uns dazu bewogen hat nach Juvengård auszuwandern, dem Traum zu folgen, darüber habe ich eine kleine Abhandlung verfasst; http://juvengard.com/uber-uns/unsere-geschichte/ !

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Wir sind Schritt für Schritt unserem Traum gefolgt und versuchen, ihn nun jeden Tag ein kleines Stücken mehr in die Wirklichkeit zu holen und vor allem auch, diesen grossen Traum für viele andere zur Ressource und Stärkung werden zu lassen, die Menschen teilhaben und mit uns mitträumen und -leben zu lassen.

Eine meiner liebsten langjährigen Freundinnen hat mal während einer Vorstandssitzung des Chores gesagt, ihr müsst gross denken, wagt es, think big ladies, denn nur so schaffen wir es, etwas Einzigartiges zu erreichen! Viele Jahre später bin ich ihr noch immer für diese Aussage dankbar! 


Träumst du ein Stück weit mit uns mit und glaubst du an die Kraft des Schwarmes?

Juvengård hat uns etwas ganz besonders klar gelernt - (nur) gemeinsam können wir Grosses erreichen - jeder mit seiner individuellen Begabung, jeder dank seinen Ideen, seiner Kraft, seinem Spirit!

Daher appellieren wir heute hier auch an Dich, nicht in erster Linie an dein Portemonnaie sondern an deine Unterstützung unser Projekt mit in die Welt hinaus zu tragen!


Daher möchte wir DICH bitten 

* teile unsere Kampagne bitte in deinem Netzwerk, je mehr Menschen von unserem Traum erfahren, desto grösser wird die Chance, dass unsere Aktion erfolgreich wird!

erzähle deinen Liebsten, deiner Familien, deinen Freunden, deinen Arbeitskameraden, deinem Chef, Chauffeur oder Gärtner doch von unserem Projekt und unserem Traum

unterstütze als Booster unsere Aktion mit einem oder mehreren Fünfliber oder finde jemanden, der gerne dank eines grösseren Betrages eine unserer Jurten taufen möchte :-) 

und glaube mit uns gemeinsam daran, dass wir Grosses erreichen können 

* folge uns und unseren Aktivitäten und Ideen sowie dem Projektverlauf auf Facebook oder auf unserem neu erstellten Youtube-Kanal  und wenn es DIR gefällt, hinterlasse uns einen Like oder einen freudvollen Kommentar!


Der Link zum Projekt ist hier zu finden

https://www.100-days.net/de/projekt/jurtendorf-juvengard


Die Aktion bzw. der Grundgedanke des Crowdfundings folgt dem Motto „ Alles oder nichts“! 

Das bedeutet, wenn wir die Zielbeträge innerhalb der 60 Tage erreichen, fliessen sie vollumfänglich in unser Projekt Jurtendorf Juvengård, wenn die Etappenziele bzw. der Endbetrag nicht erreicht wird,  fliesst das Geld ohne Verluste zurück in dein oder das jeweilige Spender-Portemonnaie!

Ihr seht, wir lieben die Herausforderung :-) Es gibt schliesslich nur zu gewinnen!


Unseren Youtube-Kanal gibt es neu hier:





DANKE VON HERZEN, dass DU unsere Zeilen gelesen habt, dass DU sie teilen magst mit Deinen Kontakten, dass auch DU unseren Traum nährt und unterstützt mit Deiner Aufmerksamkeit!



Mit herzlichen Wintergrüssen von Juvengård - dem Platz unserer Träume!


Jeannette * Heinrich * Seraina Sophia * Flurina Johanna 


VIII. zu Lichtmess / Imbolc 2018


Liebe Freunde und Leser

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Lichtmess am 2. Februar ( im keltischen Imbolc) ist für mich persönlich jeweils ein sehr wichtiges Schwellenfest: Es geht vom Winter hinüber in den Frühling, von der schwarzen zur weißen Zeit, von der Dunkelheit ins Licht, von der Starre in die Bewegung.

Irgendwann mal hatte ich gelesen, dass man zu Imbolc die keltische Göttin Brigid auf einem Hirsch reitend sehen kann, wie sie die Samen aus dem Winterschlaf aufweckt und die Bäume wachrüttelt, so daß die Säfte wieder zu fließen beginnen. Brigid verkörpert die Kräfte des Ostens und des neuen erwachenden Morgens, schön nicht? 

Und in diesem Jahr fühlt es sich für mich genauso an - nach dieser unfreiwillig langen Winterpause, während der es vor allem Heinrich gesundheitlich nicht wirklich gut ging, kommen langsam die Kräfte zurück in unsere Glieder und bei der Arbeit draussen spüre ich täglich das Aufkeimen, die freudige Spannung der Natur! Wir unterstützen diesen Prozess aktiv mit einem Yogakurs (Kurse sind nach wie vor gute Möglichkeiten um mal von Juvengård wegzufahren, Schwedisch sprechen zu müssen und neue Kontakte zu knüpfen!) und es tut gut auf allen Ebenen.

Der Winter 17/18 machte seinem Namen bis dato wenig Ehre - nur mal eine einzige kurze Woche lang hatten wir eine geschlossene Schneedecke zu verzeichnen, ansonsten war es seit September eigentlich immer nur das selbe Mischmasch an grau, feucht, trüb und unstet……. Ab und zu hat sich der Mangel an Sonne schon auch auf die Gemütsverfassung ausgewirkt und wir mussten uns die Sonne im Herzen bewahren!

Dafür schneit es oben in Norrland gerade wie irr, vereinzelt sind Strassen und Schulen geschlossen, der Zugverkehr eingestellt - die Welt spielt - auch beim Wetter - tatsächlich verrückt…. Gerne würde ich tauschen gegen eine so tolle Winterlandschaft, welche man gerade z.B. bei unseren neuen Schweden-Auswanderer-Kollegen in Övertorneå sehen kann (www.norrskenlodge.com) doch ich weiss natürlich genau, warum für unsere Familie Småland bzw. Juvengård der „richtige Ort“ war und ist! Wir hoffen trotzdem, dass wir Hensler’s irgendwann besuchen können auf unserer persönlichen Jagd nach Nordlichtern! Doch es ist fast ähnlich weit von hier zu ihnen hoch wie von hier in unser (gemeinsames) altes Zuhause Einsiedeln! Doch für einen kurzen Abstecher zum Süühudiumzug oder vorallem zur Schnitzelbanktour am Schmutzigen Donnerstag - da wären wir wohl beide mit dabei, oder Max? :-) Das Fasnachtsfieber, welches heuer nicht akut ausbrechen darf, quält mich doch ein wenig….


Veränderungen

Hier auf Juvengård hat sich trotz Winterstarre viel verändert! Genau vor einer Woche ist auch unsere Islandstute Sif ihren Freunden Walsi, Tauta und Co. in den Pferdehimmel gefolgt! Die alte Grossmutter war müde und es war hoch an der Zeit für sie, von ihren Schmerzen erlöst zu werden! Trotz aller Vernunft - sie fehlen uns, Sif und Walsi! Sie waren für uns ein Teil des Ankommen und Heimisch- werdens hier, ein Teil der Familie, Freunde, welche sich unsere Ängste und all unsere „erstes-Mal-Geschichten“ angehört haben! Die Geräuschkulisse auf dem Hof ist um einiges ärmer geworden, die Energie im Stall hat sich verändert, vor allem die jungen Schafe scheinen ab und zu nach Sif zu rufen! 

Nun gibt es erstmal eine Pferdepause auf Juvengård, wir lassen es setzen und werden sehen, ob und wie es im Stall weitergehen wird.

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Apropos Stall, die altehrwürdige Eiche, sozusagen die Schutzpatronin unseres Stalles ist kurz vor Weihnachten, unter der Last des ersten schweren Schnees zusammengebrochen! Was hatten wir für ein Glück im Unglück - sie muss sich während ihres Falls leicht gedreht haben und so kam glücklicherweise kein Tier und kein Gebäude zu Schaden! Teuer wird die Geschichte jedoch trotzdem, gegen höhere Gewalt kann man sich auch in Schweden nicht versichern lassen…


Während den letzten zwei Tagen wurden die dicken und langen Äste mit schwerem Gerät fachgerecht zersägt und das Kleingeäst zum Schredder gebracht! Einige imposante Äste liegen nun noch hier und warten darauf, dass wir daraus tolle Sachen machen oder entstehen lassen - Aussenmöbel fürs Café vielleicht oder schicke Regale für die Jurte! Die Kreativität darf fliessen und eine Sägemöglichkeit muss noch gefunden werden. Der eine Teil des Hauptstammes durfte stehen bleiben, als Erinnerung einerseits und als Lebensraum für wertvolle Insekten, Vögel und Kleingetier andererseits! Für Extraneugierige: aktuelle Berichte und mehr Bilder über solche und ähnliche Alltags-Geschehnisse sind meist auf unserer Facebookseite zu finden!

Auch eines der alten Gute-Schafe sowie ein Huhn haben sich verabschiedet, der Winter fordert trotz seiner Milde seinen Tribut!


Lebensträume 

Nur zwei sind nicht in Winterruhe verfallen, unsere Töchter Seraina und Flurina!

Seraina ist seit einigen Monaten unglaublich motiviert und hat ein klares Ziel vor Augen - das Medizinstudium! Sie lernt sehr konzentriert und zielgerichtet und hat vor einigen Tagen ihre Gymnasiums-Auswahl getroffen! Schwedisch als Hauptsprache fordert sie natürlich nach wie vor, doch schreibt sie gute Noten und kann punktemässig auf einem hohen Niveau mithalten! Wir sind unglaublich stolz auf unsere Grosse und überzeugt, dass auch sie ihren ganz eigenen Traum leben wird!

Flurina ist ebenfalls jeden Tag motiviert, die Schule zu besuchen und reift zusehends heran zu einer jungen Dame! Unsere Alltagssprache ist inzwischen ein ziemliches Kauderwelsch, wenn Flurina daheim jeweils von ihrem Schultag berichtet, geht das kaum mehr auf Schweizerdeutsch!

Zum Thema Muttersprache; neu unterrichte ich einmal in der Woche eine Stunde „Deutsch als Muttersprache“! Dazu kam ich wie die Jungfrau zum Kinde, durch Zufall! Viele von euch kennen ja mein Faible für Sprache, für eine möglichst präzise Wortwahl und laaaaange Texte……. daher widme ich mich auch dieser Herausforderung mit Motivation und Freude! Und die aktuell 5 Schülerinnen zwischen 13 und 16 Jahren, allesamt redselig und neugierig fordern meine Präsenz! Leider stelle ich fest, dass mein Deutsch leidet - das Schwedische, das Neue nimmt soviel Raum ein im Hirn, dass es mir zunehmend schwerer fällt, gutes Deutsch zu sprechen und zu schreiben bzw. es kostet mich wirklich plötzlich einen nennenswerten Aufwand! Ich hoffe jedoch, dass ich im Gegenzug bald ähnlich gut Schwedisch schreiben kann :-)

Das Gefühl, wieder Teil eines Teams zu sei, nährt mich auf eine spezielle Weise, auch wenn Muttersprache-Lehrer-Sitzungen eine ziemliche Herausforderung sind; Arabisch in verschiedenen Dialekten, Farsi, Polnisch, Somalisch, Serbisch und Deutsch als jeweilige Muttersprache und Einwanderer-Schwedisch als gemeinsame Verständigungssprache; es gilt ab und zu einen „Kultur-krock“ zu überwinden! 

Schwyters in der Ferne

Keinen Kulturschock dafür Neugier und Freude empfanden wir beim spontanen Treffen mit den „anderen Schwyters“ hier in Schweden! Durch den Schweizerclub Südschweden sind wir im Herbst darauf gekommen, dass ca. 2h entfernt von uns ebenfalls ein Ehepaar lebt, welches denselben Nachnamen trägt - mehr Schwyter's sind im Schwedischen Telefonbuch nicht auszumachen! Also haben wir Silvia und Fredy Schwyter spontan in Björkhult / Lönsboda besucht und sie, ihre Tiere und ihr Zuhause kennengelernt! Spannend, herzlich und lustig hatten wir es! Ein Stück Vertrautheit in der Fremde - auch wenn die direkt nachvollziehbaren Verwandtschaftsgrade bereits einige Generationen alt sind.

Happy Day

Da gab es ja auch noch ne ganz andere, sehr spontane Weihnachtsaktion :-)

Viele von Euch haben die Mädchen und mich ja im Schweizer Fernsehen gesehen - herregud, war das ein Abenteuer! Spontan nach einem unserer winterlichen SRF-Fernsehabend ( wir haben inzwischen alle alten Staffeln Uf und devo zum x. Mal angeschaut) war die Idee geboren, just das Mail geschrieben, das Happy Day Team fing sofort Feuer, rasend schnell war dann die filmische Umsetzung im Kasten und schwupp sassen wir schon im Flugzeug Richtung Zürich………… 

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Da alles wirklich total heimlich war, wurden wir am Flughafen von einer schwarzen Limousine abgeholt und durften eine Nacht in einem imposanten Zürcher Hotel verbringen - die Mädchen fühlten sich wie Stars und ich habe die Badewanne genossen! 

Das ganze Drumherum einer solchen Fernsehsendung live mitzuerleben war imposant und interessant, die Herzlichkeit und Freude des Happy Day-Teams echt und berührend und die Überraschung für unsere Gross- und Urgrossmutter ist ja bekanntlich mehr als gelungen! DANKE von Herzen nochmals allen Beteiligten für die Unterstützung, Umsetzung und die wunderbaren Erinnerungen! 

Hier kann die ganze Sendung angeschaut werden!

Ja und auch viele andere Freunde und Verwandte durften wir mit unserer Anwesenheit über Weihnachten überraschen! Etwas überrollt von so viel Intensität, Tempo, Emotionen und Überraschungen und von der weihnachtlichen Hektik in der dicht besiedelten Schweiz waren wir jedoch auch unendlich dankbar, am 27.12. wieder zurück nach Åseda reisen zu dürfen und natürlich auch noch mit Heinrich und Besuch aus der Schweiz etwas Weihnachten zu feiern! Heinrich hatte sich bereit erklärt, zu Haus, Hof und Tieren zu schauen und aufgrund seines gesundheitlichen Zustandes wäre ein solch intensiver Kurztrip wohl auch nicht möglich gewesen!

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Der 15. Geburtstag von Flurina

Der nächste Höhepunkt war Flurinas 15. Geburtstag - auch wenn wir diesen speziellen Tag zum ersten Mal ohne grosse „Party à là Bügelhof" über die Bühne gehen liessen! Unsere Flurina Johanna - eines der grössten Geschenke in unserem Leben - auch mit etwas Wehmut blickten wir anhand einiger Fotos zurück auf ihre Baby- und Kinderjahre, so schnell sind sie vergangen……..doch auch in viel Freude und Stolz über das gemeinsam mit ihr Erreichte haben wir gebadet und vor allem schauen wir nun mit grosser Zuversicht in die Zukunft! Flurina wird ihren Weg hier gehen und wir sind überzeugt, dass sie ihn hervorragend und mit einem grossen Lachen auf den Lippen und im Herzen gehen wird!!! 

Nie werden wir wohl den 23. Januar 2006 vergessen, die Konsultation bzw. Diagnosestellung Williams-Beuren-Syndrom in der genetischen Abteilung in der Kinderpolyklinik Zürich mit dem berühmt berüchtigten Professor S. - all die vielen Nein’s, all die vielen Sätze, welche mit „Ihr Kind wird NIE…..können“ angefangen haben, all diese verheerenden Prognosen……….. vieles davon tragen wir im Hinterkopf und im Herzen mit, einiges davon steht nach wie vor auf der „muss-beachtet-werden“-Liste doch gerade ein grosser Teil der „Ihr Kind wird NIE…..können“-Sätze durften wir widerlegen!

Flurina kann heute Schlittschuhlaufen, kann sich selbstständig anziehen, sie kann und hat Freunde gefunden (auch über die Landesgrenzen hinaus hält sich dank einem neuen eigenen Handy ihre Kontakte), sie kann inzwischen zwei Sprachen nahezu fliessend sprechen, sie kann auch in beiden Sprachen einfache Sätze schreiben, sie konnte mit uns Auswandern, alles aufgeben, ganz neu anfangen - und sie war wohl im ganzen Unterfangen stets die glücklichste Person! 

Wir erzählen unsere Geschichte auch daher so proaktiv und offen, weil wir anderen Eltern in ähnlichen Situationen Mut machen wollen, lasst euch nicht unterkriegen! Es ist oft anstrengend, es ist oft frustrierend, viele Sorgen und Fragen quälen einen in einer solchen Situation, aber es lohnt sich immer, vorwärts zu gehen und (vorallem gesprochene) Grenzen stets auszuloten und selber nach Antworten zu suchen!

Aus all den vielen NIE’s wurden im Laufe der Jahre unzählige „Komm das schaffst du“ - das schaffen wir - lass es uns versuchen, lass es uns tun - gemeinsam sind wir stark!!! 

Dies hat uns das Leben mit Flurina - und auf eine ganz neue, andere Weise auch unser Projekt Juvengård gelernt: Gemeinsam schaffen wir soviel mehr - oft mehr als wir je zu träumen wagten, viel mehr als jeder von uns alleine schaffen würden - gemeinsam sind wir stark, gemeinsam können wir über die Grenzen gehen, Grosses erschaffen, Glücklich leben!


Es wäre verwegen zu denken, dass hier immer nur eitel Sonnenschein herrscht und daher möchte ich dies auch mal ganz offen schreiben - es gibt auch schwierige Tage hier auf Juvengård genauso wie überall und in jedem anderen Leben auch! Es gibt sie, die Momente und Tränen der Ratlosigkeit, der Frustration, des Nichtwissens, der Einsamkeit, der Überforderung, immer und immer wieder stehen wir vor den kleineren und grösseren Fragen des neuen Lebens, welche auch belasten, immer wieder und immer noch sind wir mit Situationen eines Auswanderer-Alltages konfrontiert, welche so nicht erwartet werden konnten, welche im Voraus nicht geklärt, nicht erlernt, nicht gesteuert werden konnten. Das Leben so nah an und mit der Natur ist wunderschön aber auch fordernd-fördernd, unser Alltag und die Arbeiten darin sind zu einem grossen Teil der Erfüllung menschlicher Grundbedürfnisse unterworfen - gerade im Winter sind die 3 H’s allgegenwärtig, holzen, heizen, horten - unser altes, schnuggeliges Haus ist im Sommer definitiv angenehmer zu bewohnen als im kalten, zügigen Winter! 

Und klar, trotz allem Willen und allem Wissen, dass unser Weg der unsere ist und für uns Sinn macht - manchmal spürt man auch Wehmut im Herzen, vermisst man plötzlich die Familie, Freunde, liebgewonnene alte Gewohnheiten, vertraute Ecken und Geräusche, bekannte Düfte und Geschmäcker (Vermicelles, Cervelat oder Buttergipfeli :-) )  und der Takt aus der Heimat, all dies, was einem jahrelang Sicherheit, Geborgenheit und Leitplanken gegeben hat ……. Es gibt so viele Situationen und Momente - schöne, schwierige, traurige, absolut geniale - im neuen Leben, welche man gerne mit einer Freundin, mit den Eltern, Grosseltern, mit Gotti oder den alten Nachbarn teilen möchte…………diese Gefühle aushalten, ertragen und so transformieren zu können, dass es schlussendlich wieder Sinn ergibt und einen nährt und nicht auszehrt - das ist die wahre Kunst eines Auswanderer-Alltags!


Genug resümiert - wie gesagt, mit Imbolc kommt das Leben in die Natur zurück, die Säfte sammeln sich zum grossen Aufstieg und die Tage werden merklich länger! Auch in uns sind neue Ideen gekeimt und warten nun darauf, endlich aus ihren wohlgehüteten Knospen zu springen - in den nächsten Tagen werden hier dazu wichtige Grundsteine gelegt und wir halten Euch gerne auf dem Laufenden - DENN wir werden durchaus auch EURE Unterstützung gebrauchen können! 

Ihr dürft also gespannt sein und euch mit uns mitfreuen! Der Juvengård-Spirit soll sich ruhig weit herum versprühen dürfen!

Vi ses!

Von Herzen liebe Grüsse 

für die Juvengård-Gang * Jeannette



PS: für die kommenden Frühlings- und Sommermonate suchen wir nach tatkräftiger Unterstützung! Möchtest du für ein paar Wochen den weiten Himmel Smålands geniessen und uns unterstützen bei allen kleinen und grossen Ideen - gegen Kost und Logis bieten wir Dir hier Raum, lebendigen Familienanschluss und unzählige verschiedene Aufgaben und Abwechslungen im Garten, Café, in der Landwirtschaft oder im Haus mit Flurina und Wäschebergen :-) Interessiert? Lust? Zeit? Melde dich - denn gemeinsam können wir Grosses erreichen!



VII. Welch unglaublich dichter Sommer……


Hej hej liebe Leser!


So unglaublich schnell vergeht die Zeit und ich weiss, dass viele von Euch sehnlichst auf ein paar Zeilen von uns warten!

Doch eben diese verlangen mir gerade so einiges ab…….. Wir kommen selber gar nicht hinterher mit dem Verdauen aller Geschehnisse, Erlebnisse und Aktivitäten der letzten Monate!

Es war schlicht und einfach nahezu unglaublich, was sich seit unserem Umzug nach Schweden so alles ereignet hat und daher ist es auch unmöglich, dass ich hier alles berichten kann - für neugierige Leser aus der „alten Heimat“ - es wird bald einen weiteren kleinen Bericht im Marchanzeiger geben :-)



Rüebliernte :-))) auch diese sind auf Juvengård etwas anders als gewohnt - so wie wir eben :-)


Der Sommer 2017 wird im schwedischen Radio gerade tot geschlagen - es war nie wirklich lange schön und warm, stets etwas unstetes Wetter, ein typischer „svensk sommar“ also! Und endlich hat es auch mal richtig geregnet und es ist ein wahnsinnig reiches Pilzjahr - es wächst und wächst und man kann den Pilzen schon fast beim Wachsen zusehen! In Schweden geht man schliesslich nicht Pilze suchen, man geht Pilze pflücken! :-)



Zwei Nachbarinnen haben uns reich beschenkt mit einigen Kilo Steinpilzen und Eierschwämmli :-) Welch wunderbare Überraschung war das und ein so schönes Gefühl! Sie meinten, da wir ja soviel arbeiten würden und kaum Zeit hätten um selber in den Wald zu kommen würden sie die Geschenke des Waldes zu uns bringen! Wunderbar, nicht?! Überhaupt wären unsere Nachbar einen eigenen Absatz wert! Es tut unglaublich gut zu spüren, wie sehr wir Teil dieses kleinen Weilers Sjömillan werden durften und dass die Menschen rundherum Anteil nehmen an unserem Tun und Wirken hier und dies auch schätzen und uns auch an ihrem Leben teilhaben lassen! Man ist sich der Verantwortung der Gemeinschaft und dem gegenseitigen Unterstützen hier sehr bewusst - ich wage zu behaupten, viel bewusster als in der Schweiz und man weiss, dass der Tag kommen kann, wo man auf die Hilfe des Nachbarn angewiesen ist, z.B. beim nächsten Schneesturm, wenn der Strom aus- oder der Schnee einfällt oder wie bei uns vor ein paar wenigen Wochen, wenn etwas Dramatisches passiert mit Mensch oder eben auch Tier….. da ist es keine Frage, man lässt alles stehen und liegen und eilt dem Gegenüber zur Hilfe!


Vielleicht fällt es dem einen oder anderen auf, mein Schreibstil hat sich verändert - überhaupt nicht bewusst - aber es fällt mir inzwischen beachtlich schwer Deutsch und vor allem in der korrekten deutschen Wortfolge zu schreiben! Das Schwedische geht uns immer leichter von den Lippen und dies schlägt sich leider im Verlust anderer Sprachkenntnisse nieder…….ich beispielsweise konnte kaum mehr einen ganzen korrekten englischen Satz vom Stapel lassen und als französisch sprechende Gäste da waren schaffte ich es gerade noch auf 3 Worte; J'ai oublié …. presque tout mon français wollte ich sagen aber nach j’ai oublié…..folgten nur noch ein paar stammelnde Worte auf Schwedisch! Seraina spricht nun bereits Schwyzerdüütsch mit schwedischer Sprachmelodie - es ist manchmal echt lustig hier zum Zuhören!

Seit zwei Wochen besuche ich die Chorprobe des Kirchenchores im Dorf und bin richtig glücklich, endlich wieder in Gesellschaft singen zu können! Für alle Leser welche den Film „ Wie im Himmel“ gesehen haben - ich kann euch sagen - Kaffee trinken ist auch wichtig :-))) Wir machen also während der eineinhalbstündigen Chorprobe auch noch eine kleine Fika (also Kaffee-pause inkl. Gebäck)! Es tut mir unendlich gut, dieses gemeinsame Singen, Wirken und das Gefühl der Zugehörigkeit, des Verbundensein’s und auch, dass mich die Menschen hier mehr oder weniger offen willkommen heissen und aufnehmen in den Kreis! Und natürlich hebt es meine Sprachkenntnisse immens und das Singen hilft sehr beim Lernen der korrekten Aussprache!

Seraina hat ebenfalls wieder mit dem Waldhorn-Spiel begonnen, einerseits an der Musikschule im Dorf, andererseits in einer Brass Band im Nachbarsdorf! Wir fühlen uns also wirklich richtig heimisch inzwischen, sind Teil eines reichen Vereinsleben und wenn wir ins Dorf fahren grüssen wir bereits rechts und links und halten da und dort einen kurzen Schwatz - wie „zuhause“ eben!


Während des Sommers hat sich unsere Familie hier vergrössert! Am 19. Juni stiess der English-Pointer-Welpe Finn zu uns - er ist nun gut 5 Monate alt aber schon ziemlich gross! Der vife Rüde hält uns sehr auf Trab aber erfreut unsere Herzen ungemein! Wir sind gespannt, was wir mit ihm noch alles erleben dürfen! Momentan muss er lernen ein paar Stunden alleine im Haus zu verbringen, was er recht gut hinkriegt, ab und zu müssen jedoch ein paar Schuhe oder herumliegende Wäsche darunter leiden und wenn wir zurückkommen gibt es ein ziemlich grosses Reklamationsgeheule, aber er schafft es mit jedem Mal besser! Nur unsere zwei Katzen Fläck und Zebra haben wenig Freude am neuen Kumpanen und finden es mächtig unfair, dass dieser Kerl bei uns in der Jurte schlafen darf und sie draussen bleiben müssen.

Flurina hatte in den letzten Wochen oftmals die verantwortungsvolle Aufgabe unseren Finn zu hüten, während wir anderen 3 wie wild im Café gewirkt haben!

Es war nicht immer leicht für die zwei Wirbelwinde, aber sie sind dicke Freunde geworden und Flurina hat auf anderen Ebenen an Selbstkompetenz gewonnen!



Der Tierbestand auf Juvengård wuchs auch anderweitig; wir haben inzwischen 10 eigene Hühner plus einen jüngeren Güggel, welche uns täglich mit einer Vielfalt an unterschiedlich grossen und farbigen Eiern verwöhnen und zu den 5 alten Gute-Schafe sind 7 junge und unglaublich süsse Gotlandschafe hinzugekommen! Eines hat sich in den letzten Tagen verletzt und muss nun regelmässig ein Fussbad erhalten, was unsere Schafeflüsterin Seraina mit einer unglaublichen Geduld und Kompetenz erledigt! Wir sind sehr stolz auf unsere beiden Töchter, die sich auf allen erdenklichen Ebenen weiterentwickelt haben.

Trotz aller Tierliebe hat sich Seraina’s Berufsziel nun anscheinend sehr konkretisiert und sie strebt an, die Gymnasiumsrichtung für ein anschliessendes Medizinstudium einzuschlagen! Es ist bewundernswert mit welcher Willenskraft sie nun darauf hinarbeitet, die wichtigsten Fächern dazu - notabene in Schwedisch - mit godkänd abschliessen zu können! Die Herausforderungen eines neues Schulsystems sind nicht ohne!


ja und nun noch zum allergrössten Brocken - unser Café & Bistro Juvengård!



Es schien im Frühling noch fast unbewältigt-bar, dass wir es hinkriegen, da noch entrümpeln, Schmutz beseitigen, da ein unerwarteter Schaden, eine kaputte Leitung, eine kaputte Maschine, ein heimliches Mäusenest……. doch wir haben es hingekriegt, einen neuen kleinen Steamer einbauen lassen und am 7. Juli war es endlich soweit - wir eröffneten unser Café, ein langgehegter Traum erfüllte sich… und wie!!!! Wir wurden fast überrannt von Gästen und die Neuigkeit verbreitete sich - auch dank eines tollen, wohlwollenden Artikels in der Lokalzeitung - immens schnell! 14 bis 18 Stunden, jeden Tag standen wir plötzlich in der Küche unseres Café’s; kiloweise Fleisch aus der lokalen Schlachterei wurde zu leckeren Speisen verarbeitet, Gemüse und Salat gerüstet und unzählige Kuchen und kiloweise Brot gebacken und hin und her gerannt - wir wussten gar nicht mehr, wie und wo uns der Kopf steht….Dank dem Umstand, dass wir möglichst alles so frisch und nah wie möglich einkaufen, wuchs das soziale Netz ebenso schlagartig!

Unser eigener Anspruch, alles von Grund auf, frisch und ohne unnötige Zusatzstoffe zuzubereiten, stets mit viel Liebe und Achtsamkeit zu kochen und mit Blüten, Blumen und Wildkräutern anzurichten und zu dekorieren, schlug total ein (für viele schwedische Gäste totales gastronomisches Neuland) und fordert natürlich seinen zeitlichen und energetischen Tribut!

Nichtsdestotrotz möchten wir keinesfalls von unserem Konzept abweichen, aber nun gilt es nach turbulenten 2 Monaten Bilanz zu ziehen, die Öffnungszeiten anzupassen und zu schauen, wie wir unser Niveau halten können ohne dass es uns energetisch auslaugt…….. Heinrich und ich arbeiteten fast nonstop durch und vorallem Serainas Einsatz ist kaum zu bemessen - sie ist einfach unglaublich, unsere Grosse <3

Und schliesslich ist Heinrich kein gelernter Profikoch und wir haben da noch einige Baustellen, was die effiziente Ablaufplanung, guter Einkauf und eine tolle Mise-en-place anbelangt! Doch das stört unser Klientel überhaupt nicht und wir haben bereits einige „Stammgäste“ aus nah und fern, die wöchentlich zum Sonntagslunch kommen oder einfach so zum Kaffee oder Mittagessen, teilweise 2 Stunden hin und zurückfahren……… Die Turbulenzen im Café mit Stromunterbrüchen und kaputten Geräten hält leider an, doch wir nehmen es schon schwedisch gelassen - ta det lugt, det ordnar sig, det löser sig - nimms ruhig, das wird sich schon wieder einrenken, wir finden eine Lösung…….

Eine gesunde, realistische und total angenehme Haltung - wenn uns nicht die schweizerische Pedanterie zwischendrin reinfunkt…. :-) Doch ab und zu tut es das und da gilt es einfach nur eines; durchatmen, ein und aus……. es nützt nichts Druck zu machen, auszurufen oder zu verzweifeln, alles zu seiner Zeit……… Wir lernen - wir wachsen - wir erfahren - wir sind!



Eine bunte Mischung aus Touristen, Sommergästen und der einheimischen Bevölkerung hat unser Café belebt und genossen in den letzten Wochen und wir sind uuuuunendlich dankbar für alle Begegnungen, Lernprozesse und jedes Lächeln, welches über die Gesichter der Gäste huschte, wenn sie entweder den heimeligen Gastraum betraten oder einen so wunderbar angerichteten Teller vorgesetzt bekamen! Gestern beispielsweise waren 20 ältere Damen aus dem Dorf zum Mittagessen da und es war so schön, so herzlich, so warm und am Schluss haben sie uns die Gastfreundschaft und das gute Essen - notabene Züri Gschnätzlets mit schwedischen Potatis - mit einem Lied verdankt - mein Herz war unglaublich gerührt! Wir dürfen hier also sein, wirken, teilen, feiern, nähren und genährt werden!


Unser Rezept, unser Traum, unsere Hoffnung und Sehnsucht - es geht auf - je authentischer wir selber leben, wirken und sein dürfen, desto freier und offner wird das Gegenüber, es entsteht Raum zum Sein, Freiheit, Wertschätzung, ein nährendes Miteinander!

Mit uns hier auf Juvengård waren auch verschiedenste Gäste, Besucher und Helfer in den letzten Wochen und Monaten, die einen für länger, die anderen nur für eine kurze Stippvisite - jede Begegnung war einzigartig, jeder helfende Handgriff ein Geschenk! Dafür möchten wir EUCH allen herzlich danken!

Für die Menschen, welche länger mit uns hier waren, war es nicht immer einfach - sich selber in ein so turbulentes, lebendiges Familiensystem, in einen so dichten, arbeits- und temporeichen Alltag hineinzugeben ist nicht ohne und auch für uns war es oft herausfordernd, nebst dem immer noch neuen Leben, den vielen offenen Fragen nach dem Wie, wo, wann und dem immensen Arbeitspensum Gäste zu beherbergen, wenig Raum, Privatsphäre und Ruhe zu haben!

Kann man Abläufe delegieren, welche noch nicht klar, gefestigt, erprobt sind? Kann man Fragen nach dem Wie beantworten, wenn man selber den Weg noch nicht gegangen ist? Was brauchen Schafe, was tun wenn eines lahmt? Wie versorgt man die Hühner richtig, wieviel Futter brauchen sie, warum um Himmels Willen fällt eine Holzbeige zusammen obwohl sie jemand feinsäuberlich ausgerichtet hat, wie soll der Garten erweitert werden, welches sind nun genau die Auflagen des Landwirtschaftamtes, welche Bäumen müsse weg, wie schleift man eine Motorsäge, wo steht das Werkzeug, wie dicht soll das Heu für die Triste gepresst werden, sind denn die Kartoffeln schon reif, welches Viech frisst unsere Kohlblätter, was kann ich dagegen tun - ui nei, schon wieder Gäste, so viel, wieviele, wer hat angerufen, wie funktioniert das neue Kassensystem …….. welche Bohnen kann ich ernten und was soll ich damit anfangen, gibt es noch Platz im Tiefkühler, wie macht man Johannisbeersirup, was bedeutet dies auf Deutsch und was um Himmels willen wollte dieser Gast, der breites värmländisches Dialekt spricht gerade von mir? Wo klingelt das Telefon, wer kann auf Schwedisch antworten, nur Jeannette oder wie? Mama, ich habe keine sauberen Socken mehr und Wieviele Zecken hat der Hund, 10 Stück? Wer hilft Flurina beim Haarewaschen, was, Hunger? Hunger haben wir eigentlich auch noch….. Wo kaufen wir Brennpaste für Réchauds, wieviel Kilo Entrecôte werden unsere Gäste wohl bestellen übers Wochenende? Was kann ich tun, wenn die Waschmaschine kaputt ist? Wie geht das schon wieder mit der schwedischen Buchführung, der Mehrwertsteuer, wer kann unsere Schafe transportieren und wie wird dies korrekt rapportiert……….. und und und………..

Kann man 14, 16, 18 Stunden am Stück arbeiten und dann noch offene Ohren und Verständnis für die Sorgen anderer haben, welche hier nicht in der Verantwortung für den Betrieb, die Kinder, die Tiere, das Café stehen…….. ?!? Dies haben wir nicht immer geschafft - verständlich und schade zugleich! Doch eines weiss ich bestimmt - wir haben stets unser Bestes gegeben, entsprechend unserem Wissen und unseren Ressourcen, die zur Verfügung standen!

Diese erste Sommersaison war also definitiv eine Gratwanderung, eine gewaltige Herausforderung für uns und wir sind trotzdem dankbar - unendlich dankbar dafür! Die Arbeit, der Erfolg hat uns überrollt, wir sind definitiv nicht mit allem zufrieden, oft gab es viel zu wenig Raum für wertschätzende Kommunikation, wenig bis gar keine Zeit zum Durchatmen, zu wenig Zeit im Garten und zu wenig ruhige, nährende Gespräche mit Besuchern und Gästen aus der Schweiz und viel zu viel Arbeit, Unklares, Ungeklärtes, Dichtes, viel zu viel Konzepte im Kopf und fremde Bedürfnisse von aussen und gerade ich wurde manchmal fast aufgefressen bzw. liess mich auffressen von den (unausgesprochenen) Ansprüchen im Aussen, welche ich dann doch nicht befriedigen konnte….. das Arbeitstempo und Entscheidungstempo war zeitweise unglaublich hoch…….. damit muss man erst mal klar kommen :-D 

Glücklicherweise wissen wir nun um Welten besser, welches Knowhow und wieviel Hilfe wir für den nächsten Sommer brauchen werden und dass „Hilfe“ nicht immer gleich „Hilfe“ ist bzw. sich die Frage stellt, wer hilft denn nun wem……! ;-)

Unser Traum bleibt ganz einfach unser Traum, für diesen und uns, die Kinder, die Tiere und den Platz tragen wir hier die Verantwortung und Sorge!

Und diesen, unseren einzigartigen individuellen Traum gilt es nun weiterzutragen, zu verfeinern, zu nähren, sodass er auch uns wieder nähren und weitertragen mag!

Ihr dürft gespannt sein auf unsere Ideen - wir sind es auch!


Von Herzen und mit bereits herbstlich frischen Grüssen aus Småland Jeannette und die Juvengård-Familie!




VI. Es naht - der Sommer liegt in der Luft….

Liebe Leser


es hat wiederum etwas gedauert bis ich Zeit und vorallem Musse gefunden habe unseren Blog zu aktualisieren! Meistens gelingt mir das nur dann, wenn Heinrich in der Schweiz weilt… ;-)

Nun ist es bereits Frühling, bald sind wir 11 Monate hier auf Juvengård - die Zeit verging so unglaublich schnell und doch erscheint es mir fast so, als würden wir seit Anbeginn der Zeit hier leben, wir haben unseren Norden, unser Herzens- bzw. Seelenzuhause gefunden…

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Der Frühling in Småland war - genau wie der Winter - viel zu trocken. Das momentane Grundwasserniveau ist so tief wie seit 100 Jahren nicht mehr, was den Bewohnern bereits im Mai grosse Sorgen bereitet! Das Wasser für den Garten können wir momentan noch sicherstellen, glücklicherweise sind wir mit einer eigenen Quelle und einem Tiefbrunnen gesegnet - doch es brennt schon in einigen Wäldern der Umgebung, Brunnen versiegen - wie lange mag es wohl so weiter gehen…? Diese Umstände erzeugen ein nicht gekanntes Gefühl der Machtlosigkeit - es liegt ausserhalb der eigenen Handlungsfähigkeit, ausgeliefert und verwundbar im ganzen menschlichen Sein - kein Funke an Selbstwirksamkeit vorhanden… das lähmt und ängstigt bis ganz tief hinein! Doch auch dieses Gefühl und diese Umstände im Aussen passen hervorragend in unseren allgegenwärtigen Prozess des Loslassen’s, des Neu anfangen, des Ausharren und Geduld haben, des unumgänglichen Lernen und der Konfrontation mit dem ewigen Übergang

Nun denn, Geduld brauchen wir auf allen Ebenen, mit uns als Familiensystem, jeder mit sich, mit den Tieren, dem Lauf der Natur, der Bürokratie, unseren Energiereserven - und mit den Küchengeräte-Lieferanten :-) 

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Ikea-Fahrräder darf man zusammen bauen - ob mein Liebster es ein weiteres Mal für mich tun würde?!? :-)


Wir haben im Café renoviert und geputzt wie wild und warten nun eigentlich nur noch auf die neuen Geräte…. aber auch die nordische Uhr tickt etwas langsamer als die schweizerische Präzisionsmaschine - ta det lugnt, det kommer, det ordnar sig - eine Gelassenheit, welche mir eigentlich gut tut…….. Es kommt, wann und wo es kommt aber wir dürfen euch sagen, es kommt - auch die Café-Eröffnung naht! Wir freuen uns und sind gespannt!

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Karma Yoga

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Inventur


Inzwischen übe ich mich im Backen verschiedenster Rezept, Seraina hat schwedische Hausmannskost-Rezepte gekocht und wir haben die halbe Ikea leer gekauft! :-)

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Zu unserer grossen Freude steht auch endlich unsere Juvengård-Jurte, dank tatkräftiger Mithilfe von arbeitswütigem und windresistentem CH-Besuch - wie sind wir dankbar, dass wir nun wieder rund und belüftet schlafen dürfen  -  das Gefühl von Geborgenheit, Vertrautheit und Wärme lindert auch etwas die Sehnsucht nach der Jurtendorf-Familie und vielen Freunden - die ja, die eben doch ab und zu fehlen - Gespräche, Tiefgang, Lachen, Singen im Kreis, getragen und gehalten und gestützt werden…… trotz aller Technologie, Videotelefonie und den digitalen, sozialen Netzwerken - nichts ersetzt die Umarmung eines Freundes, eines wohlgesonnenen Herzen’s……..<3


Unsere zwei Teenager sind eine wahre Freude, Flurina ist enorm aufgeblüht im neuen Umfeld, lernt und wirkt gewaltig und hat kürzlich am Sporttag in der Stadt sogar zwei Medaillen gewonnen - wie warm wird da das Elternherz!



Seraina, bald 16 und somit wirklich erwachsen hat sich nun doch durchgerungen, Schwedisch zu sprechen und sich Fehler zu erlauben - mit Erfolg und dem Effekt, dass ihr Alltag leichter, erfolgreicher und verständlicher wird und ihr soziales Netzwerk gewachsen und ihre Persönlichkeit enorm an Attraktivität zugelegt hat ;-) Es ist eine Freude und eine grosse Erleichterung zu sehen, fühlen und hören, dass unsere Entscheidung die beiden Mädchen auf erdenklich allen Lebens- und Entwicklungsebenen fördert, nährt und bereichert! 


Tja, nur die Ruhe und Erholung - so wie sie uns unsere zwei Katzen vorleben, diese müssen wir uns hart erarbeiten! Doch aufgeben ist nicht drin - auf keiner Ebene! :-)

Wir haben also inzwischen gelernt, Schafe zu scheren, Pferdehuf zu pflegen, mein Gartenwissen wird jeden Tag grösser und es gibt mir unheimlich viel Befriedigung und beschert mir tiefe Momente der Dankbarkeit und des Glückes, wenn ich in meinem Garten wirken darf und sehen kann, wie es wächst, gedeiht, wie sich die Natur entwickelt und wie ich mit den Schnecken, den Erdraupen und den Ameisen teilen darf ;-)

Wir haben einige junge Obstbäume neu gepflanzt und die Beerensträucher werden zu vermehren versucht - es bleibt also spannend!



So vergehen unsere Tage also im Fluge - sie sind angefüllt mit viel körperlicher Arbeit, mit frischer Luft, Wind und Blütenstaub - oft ist es eine Herausforderung, den Fokus zu halten - zuviele Baustellen sind sichtbar auf dem Weg zum Eigentlichen, zu leicht bringt einem der Westwind aus dem Gleichgewicht!

Die Nächte sind bereits kaum mehr als Nächte zu betiteln, es wird nur noch schwach dunkel und die Sonne geht morgens um vier Uhr schon wieder auf - Midsommar naht mit grossen Schritten - welche Freude! Hoffentlich dürfen wir dann die ersten Gäste im Café begrüssen dürfen - das Ziel ist gesetzt!


Liebe Leser da draussen - wir freuen uns über euer Interesse, über jedes Mail, jede Nachricht und Flurina freut sich weiterhin vorallem über jede Postkarte, welche uns erreicht! Wir wissen und sind überzeugt, es wahr so wichtig und richtig, hier anzukommen, trotzdem gibt es Sehnsucht nach Vertrautem und wenn wir gefragt werden, was wir denn am meisten vermissen - nein, keine Schweizer Schokolade (auch wenn der letzte Besuch wirklich leckerste Läderach Schoggi vorbei gebracht hat - DaNkE dafür!), kein Aromat (ehhhh total wäääägi) und keine Schweizer Pünktlichkeit - es sind und bleiben einzig und allein: Menschen - Begegnungen - Austausch………

Also scheut euch nicht, schreibt uns, erzählt eure Geschichte, teilt eure Gedanken, ruft an, kommt vorbei…….wir freuen uns über jedes Zeichen - denn Blog schreiben ist eine unglaublich einsame Angelegenheit :-)

z.B. waren gestern zwei Besucher aus unserer alten Wohngemeinde hier, wir haben uns vorher nicht gekannt, nur dem Namen nach, doch eine Kollegin hat den Kontakt vermittelt! Wir haben zusammen Kaffee getrunken und zwei Stunden gemütlich geplaudert - es wurde eine unerwartet berührende Erfahrung - Verbundenheit, welche bleibt!


Wir wünschen Euch allen von Herzen frohe, friedvolle und wärmende Tage, gärtnert, geniesst, feiert, grillt und badet - wir tun es auch! 


Von Herzen - von Juvengård - Jeannette





V. Frühling - Ostara - Våren kommer…

Liebe Alle ausserhalb von Juvengård :-)


Ja, ungefähr so fühlt es sich für mich gerade an - es gibt ein Leben auf Juvengård und eines ausserhalb dieser 7 Hektaren …       

und momentan erlebe ich mich selber als zutiefst im Zentrum von Juvengård drehend….ohne jedoch das Zentrum sein zu müssen - wie befreiend! ;-)

Der Frühling hält langsam Einzug, auch wenn es kein Winter nach unserem Gusto war, die Schneefräse blieb fast arbeitslos - es war zu warm, besorgniserregend trocken, es gab kaum eine länger als 10 Tage währende Schneedecke - das hatten wir uns doch etwas anders vorgestellt! 

Aber nun ist es, wie es eben ist…


Seit einigen Tagen sind die Gänse zurück am See und ein Kranichpaar erquickt, ja erfreut uns durch seine Präsenz hier auf dem Platz - welch stolze Tiere, welch imposante Flügelspannweite und welchen Lärm sie machen! Überall blühen Schneeglöckchen, die Krokusse stecken ihre Köpfe langsam durch die oberste Schicht und in unserem Garten hat sich sehr viel getan in den letzten Wochen. Es ist ein ziemlicher wilder und lebendiger Garten am Entstehen, es liegt weder ein einheitliches Material- noch Baukonzept vor, die Anbauplanung basierend auf den Gedanken der Mischkultur und Fruchtfolge macht mich fast wahnsinnig und bunt gemischt zeigen sich momentan die imposanten Rohstamm-Hochbette neben Pallkragen-Beeten und auch ein erstes ungenormtes, sozusagen wildlebendes Hügelbeet ist in Entstehung…

Flurina unterstützt mich tatkräftig beim Säen und Vorkultivieren der Pflanzen im Haus und hat tausend Ideen, was wir noch alles säen könnten. Für mein Abschiedsgeschenk, ein bunt gemischtes Samensäcklein aus Blumen- und Gemüsesamen, haben wir ein extra grosses Beet frisch aufgeschüttet und wir warten nun gespannt, was sich bei dieser willkürlich ergebenen Mischkultur wohl alles zeigen wird. Das Ratespiel kann beginnen :-)


Seit meinem letzten Eintrag hier sind fast 3 Monate vergangen, drei laaange, intensive Monate, gefüllt mit Schwedisch lernen, Ankommen und vielen Veränderungen innen und aussen - so viele Dinge sind durch unsere Finger, Hirnwindungen und Münder geflossen, dass es weder möglich war, diese für die Allgemeinheit zu formulieren noch diese überhaupt irgendwie in Worte oder Formen zu fassen………… 

Unzählige Ideen, Gedanken, Ängste, Wünsche, Erlebnisse und Begebenheit im Aussen und ganz tief innen sind durch unsere Herzen gewandert und wurden in der Ruhe des Winters oft in völliger Stille angesehen, gefühlt, oft nicht mal geteilt, beleuchtet, erhellt von wunderschönen Wintervollmondnächten, transformiert oder einfach Kälte atmend ziehen gelassen…wie schön, wie befreiend, wenn es plötzlich genügend Stille, Dunkelheit, Weite und Raum gibt für solche Prozesse, wenn nicht kommuniziert, erklärt, gerechtfertigt werden muss - weder innen noch aussen. 

Fazit; wir haben den Winter sehr genossen und die langen Nächte haben uns die so dringend benötigte Ruhe verschafft!






Nun werden die Tage merklich länger, morgens um halb 6 Uhr stehe ich bereits im Licht des erwachenden Tages; die magischen Farben des nordischen Himmels haben mich schon wieder voll in ihrem Bann. Eine Stunde später begrüssen mich die Schafe sowie Sif und Walsi freudigst zum Frühstücksbuffet. Die Tiere sind uns zu wichtigen Begleitern und Freunden geworden. Gerne möchten wir die Schar mit Hühnern ergänzen, doch aufgrund der Vogelgrippe ist momentan für Federvieh In-Haus-Haltung verordnet, sodass ich mich entschlossen habe, noch ein paar Wochen zu warten mit dem Anschaffen von Hühnern.



Mitte Februar waren die Mädchen - der erste Flug für die beiden - und ich für eine Woche auf Besuch in der Schweiz - welche Achterbahn der Gefühle! Viel zu viele Besuche wollten wir in diese sieben Tage packen, wir rangelten uns von einer Wiedersehensfreude zum nächsten Abschied jeweils innerhalb weniger Stunden! Es war sehr anstrengend aber auch sehr schön…..nur werden wir ein solches Besuchsprogramm nie mehr wiederholen :-) Die Erfahrung war sehr wertvoll und genau richtig für den momentanen Stand in unserem Sein und hat unseren Entscheid des Auswandern’s und den Neuanfang hier in Schweden nochmals sehr gut untermauert und akzentuiert! Mir wurde bewusst - in welchem baulichen Luxus wir in der Schweiz gelebt hatten, ohne es jeden Tag geschätzt zu haben - wie wertvoll die zwischenmenschlichen und sozialen Kontakte waren, welche wir zurückgelassen haben -  wie tief und tragend aber Verbindungen über die Distanz sein können -  wie stressig und dicht es in der Schweiz zu und her geht - wie überfordert wir nach wenigen Monaten hier auf dem Land mit dieser Dichte an Menschen, Geräuschen, Tempo sowie Konsumgütern und Kaufverlockungen waren….. allein in der ersten Stunde auf dem Weg vom Flughafen zu unserer ersten Destination meinte ich mehr Menschen und Autos gesehen zu haben als in den ganzen 7 Monaten davor……




Eine der schönsten und wertvollsten Erfahrungen an dieser Woche in der Schweiz war jedoch die Heimreise :-) Beide Mädchen sind in Kloten in den Flieger gestiegen und haben durchgeatmet - endlich geht es wieder nach Hause, nach Juvengård, zu den Tieren, in den Garten - und natürlich zu Papa! Flurina ist am ersten Schultag am Morgen um 6.46 Uhr freudestrahlend zum Schulbus gerannt und meinte beim Einsteigen auf Schwedisch „endlich bin ich wieder da“…….. alle unsere Befürchtungen, dass der Besuch bei Familie und Freunden Wunden aufreissen könnte oder Widerstände schüren und nähren würde, waren unbegründet…….. ja, wir sind also voll  und ganz hier angekommen und auch die Kinder haben ihr Zuhause „wieder“-gefunden. 

In der Schweiz wurden wir oft gefragt, was wir hier oben vermissen und was wir gewonnen haben! Die Antwort war bzw. ist eigentlich sehr schnell und leicht gefunden: Am meisten vermissen wir Frauen (Heinrich  müsst ihr selber fragen!) die sozialen Kontakte, den regelmässigen Austausch mit den Nachbarn, mit den Kindern im Quartier oder mit meinen Freundinnen im Chor! Allerdings sind die Mädchen inzwischen auch hier schon sehr gut integriert im sozialen Schulalltag und wenn ich einkaufen gehe ins Dorf, ergibt sich auch für mich zu 95 % ein Gespräch mit einem bekannten Gesicht - ja ja, man muss auch sagen, natürlich sind die Åseda-ianer durchaus auch neugierig auf uns verirrte Schweizer und das Kontaktschalten fällt uns doch leichter als gedacht :-)



Am meisten gewonnen haben wir - im Moment betrachtet - eine neue Dimension von Familienleben und -Frieden! Wir sind uns viel näher gekommen in allem und trotzdem sind die alltäglichen Reibungen und hormonell gesteuerten Kämpfe viel seltener und vorallem milder geworden! Wir leben miteinander und füreinander, arbeiten Hand in Hand und wissen alle, dass wir einander im Alltag mehr „brauchen“, aber das Dasein und Zusammensein auch mehr schätzen als je zuvor! Was will man mehr?  Okay, es gibt die Tage, da denke ich, wie angenehm es doch wäre, eine Badewanne zu haben, ein zweites Klo, am Morgen beim Aufstehen einen warmen Fussboden…… doch unsere Aussenbeleuchtung, der nordische Sternenhimmel ist tausendmal spannender als ein beleuchteter Gehweg und den Luxus, singend, trommelnd oder - wenn gewünscht - sogar nackt zwischen Haus, durch den Garten, an den See und hinein in die warme Sauna zu tanzen, gemeinsam mit den wilden Hasen, Rehen und anderen nächtlichen Wesen des Platzes, diesen Luxus muss man erst mal finden :-))) Unser grösster Gewinn ist also mit Freiheit, mit Raum zum Atmen und Sein, mit Stille und Präsenz, mit mehr Gelassenheit und einem achtsameren Leben im Hier und Jetzt zu formulieren.


Nun geht es raus aus den philosophischen Gedanken, raus aus der Winterruhe direkt und mit Vollgas hinein in den Frühling - hinein ins Gartenjahr, das sicherlich viel Spannendes und Lehrreiches bringen wird, hoffentlich auch viel Fruchtbares und eine süsse, nährende Ernte - hinein ins Renovieren und Reinigen des Kaffee’s und hinein ins Leben draussen und ins Leben mit Besuch….. auch wenn es mir noch scheut vor dem Gedanken an die vielen Menschen, die plötzlich hier auftauchen werden… so weiss ich auch, dass der Platz sich freut, wieder belebt, bearbeitet und genossen zu werden!

Apropos Gäste: momentan kommen oft Anfragen für Ferien- oder Übernachtungsmöglichkeiten bei uns auf Juvengård! Da unsere Hausverkaufsphase in der Schweiz so zeit- und ja, auch kostenintensiv war, stehen uns momentan weder die materiellen noch energetischen Ressourcen für einen schnellen Ausbau von Juvengård zur Verfügung! Es werden also im Sommer 2017 noch keine weiteren Gästeschlafplätze zur Verfügung stehen! Einige Weltenbummler haben zwar ihren Besuch angemeldet, unsere Türe steht auch immer offen für spontane und unkomplizierte Abenteurer und wir freuen uns über jeden Besuch, aber Ferienstuga’s können noch keine gebucht werden! Wir halten euch aber auf dem Laufenden über unseren Auf- und Ausbau - gut Ding will Weile haben……wie ich einleitend schon geschrieben habe - es ist gut, wie es ist!



Herzlichste Grüsse aus Småland - geniesst alle den erwachenden Frühling und nehmt die Ruhe, Stille und Präsenz des Winters im Herzen mit - auf dass der Same aus dem Frost der Sonne entgegen keimen mag……


Jeannette


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PS : dieses letzte Bild; ein starke Pflanze, welche aus der Öffnung im Wirbelkanal eines uns unbekannten Tieres wächst, widme ich vorallem Gimmli und Melanie :-) Ich hoffe, Ihr liest es! :-) Auf in den https://www.pflanzechreis.ch/ -  Wir vermissen EUCH! 


IV. GOD JUL TILL ER ALLA!


„Tänd ett ljus och låt det brinna 

låt aldrig hoppet försvinna 

det är mörkt nu men det blir ljusare igen

Tänd ett ljus för allt du tror på 

för den här planeten vi bor på 

tänd ett ljus för jordens barn…“



Liebe Herzensmenschen, Freunde, Bekannte, Interessierte und Neugierige

Nu är Julafton här - es ist Heiligabend! Weihnachten steht vor der Tür!  

Unser erstes Weihnachten auf Juvengård - in Sjömillan, Åseda, Sverige! Welche Freude!


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Soviele Wünsche und Träume wurden für uns im Laufe dieses Jahres wahr, welche in keine Geschenkpapierrolle gepasst haben! ;-) Wie die heilige Familie damals haben wir uns auf eine lange Reise begeben, „schwanger mit Ideen“, sind den Sternen in unseren Herzen gefolgt und finden uns nun täglich im Stall wieder zwischen Schafen und Pferden. In der Wiege unserer Herzen wächst ungekannte Stärke und Zuversicht heran und das neue Zuhause mag uns inzwischen Wärme und Geborgenheit vermitteln. 

Nach gut 5 Monaten können wir daher konstatieren, wir haben eine gute Entscheidung getroffen - auch wenn es Stolpersteine, Rückschläge, Momente der Schwäche und Zweifel gab, gibt und geben wird! 

Heute zu Heiligabend kommt nebst der Freude und dem starken Gefühl unserer Wahrheit doch etwas Wehmut auf - wie schön wäre es jetzt, einige von Euch persönlich umarmen zu dürfen statt nur über’s WWW ein paar Zeilen zu schicken! Bemerkenswert finde ich auch dieses seltsame, gänzlich fremde Gefühl, welches sich besonders heute einstellt - wenn etwas Vertrautes, Altbekanntes, Zelebriertes wegfällt entsteht durchaus etwas wie Chaos innen drin……. 

In den letzten Tagen in der Schweiz hörte ich oft solche Sätze wie „an Heiligabend feiern wir WIE IMMER bei meinen Eltern“ oder „ach ja, dann MÜSSEN wir eben dahin, das war schon all die Jahre so, traditionellerweise eben"………… Bei einigen Sätzen schwang im Unterton ein Muss, ein Zwang mit, weil es schon immer so gemacht wurde, muss es weiterhin so geschehen, es gibt keine Wahl……! Und in all dem Müssen und Altbewährtem geht oft das Dürfen verloren, es wird zum Muss, zu leidigen Soll………und es geht vergessen, dass wir täglich die Wahl haben und es auch als Geschenk auffassen könnten…..    

In diesem Jahr sind mir diese Untertöne speziell aufgefallen, denn ich für mich wusste genau, bei uns wird es weder ein Muss noch ein Soll geben, niemand, der uns erwartet, weil es denn immer schon so war…. - ein gänzlich neuer Julafton 2016 präsentiert sich uns. Niemand erwartet heute unseren Besuch - es wäre plötzlich etwas Aussergewöhnliches, ein unerwartet grosses Geschenk, wenn wir denn doch vor der Türe stehen würden….. 

Dieses Gefühl und diese Erkenntnis sind eine der nachhaltigsten Erfahrungen, welche ein solches Projekt wie Auswandern mit sich bringt - die geflügelten Worte wie „ willst du gelten, komme selten“ haben wir genauso erfahren und erspüren dürfen wie „aus den Augen, aus dem Sinn“! DOCH wir haben auch ein neues Dürfen, eine neue Verbundenheit und Intensität erfahren dürfen - sozusagen im komprimierten Austausch :-) Und jene Verbundenheit, welche nicht distanz-definiert existiert ist eine der wertvollsten ihrer Art!


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Nach den eher kritischen Tönen möchten wir nun jedoch mit euch Allen unsere Frohe Botschaft dieses Heiligabends teilen: 

Am 20.12.2016 haben wir ENDLICH unser Haus im Bügelhof in neue Hände übergeben dürfen! Nach einigen intensiven Abschlusstagen und einem wahren Zeitkrimi war es soweit - morgens früh noch vor Sonnenaufgang setzten vier glückliche Menschen ihre Unterschrift auf den Kaufvertrag - die Verkäuferschaft höchsterleichtert loslassen zu können, die Käuferschaft freudestrahlend und  hocherfreut empfangen zu dürfen! Die Waage bleibt somit im Gleichgewicht und wir sind zutiefst dankbar, dass eine lässige Familie nun „unser“ Haus im Bügelhof mit neuem Leben erfüllen wird! Mit grosser Dankbarkeit im Herzen für die intensiven 6,5 Jahre in Schübelbach und dem Wissen, dass die Freundschaft mit wertvollen Menschen uns immer wieder dahin führen wird, sassen wir zwei Stunden nach dieser wegbereitenden Unterschrift bereits am Flughafen und freuten uns auf den „Heimflug“ nordwärts! Nun gilt es für uns die letzten CH-Formalitäten zu klären und abzuschliessen um uns dann endlich mit ganzem Fokus auf unser Projekt Juvengård einlassen zu können. 

Dies ist unser grösstes Weihnachtsgeschenk!                                               DANKE an ALLE (ihr wisst schon selber, wenn ihr gemeint seid!), welche uns und unseren Traum im 2016 in irgendeiner Art und Weise unterstützt haben, ideell, materiell oder mit ihrer ganzen Körperkraft! Ohne eure Unterstützung, euren Glauben an unsere Vision, euren Mut und eure Tatkraft hätten wir den Schritt im Sommer nicht geschafft! Doch so konnten wir nun ein leeres Haus frei von materiellen und emotionalen Altlasten übergeben und hier auf Juvengård in den letzten 5 Monaten unsere Energie einfliessen und sich entfalten lassen!

In diesem Sinne TUSEN TACK OCH GOD JUL TILL ER ALLA!


Leider haben wir auch keine weissen Weihnachten hier in Småland! Doch die neue Snöslunga steht bereit ;-) Wir geben die Hoffung nicht auf ;-)

Und machen uns nun auf in unseren Wald um den geeigneten Tannenbaum zu finden, welcher bald auch von unseren Schweizer Freunden bestaunt werden soll - FROHE WEIHNACHTEN - GOD JUL - MERRY CHRISTMAS!


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III. för tredje gången…


ZARTES LICHT

AN DIESEM MORGEN 

ERLEUCHTE 

WAS BISHER VERBORGEN 

LASS ES SCHEINEN 

IN DEIN HERZ UND 

DEINEN GEIST 

AUF DASS DU IMMER 

MEHR DU SELBER SEIST


Dieses wunderbare Lied (Quelle mir leider unbekannt) durfte ich kurz vor unserer Abreise von Andrea im Jurtendorf lernen. Seitdem begleitet es mich fast täglich hier auf Juvengård - und lässt mich ab und zu Land und Leute unterhalb des Napfs vermissen! 

Dieses spezielle Licht des Norden’s fasziniert mich jedes Mal von neuem - vor allem die Schattierungen, Farben und Stimmungen zu den Übergangszeiten sind hier einfach einmalig, magisch, berührend… 



Nun naht der nächste Übergang, Samhain steht vor der Tür und ab heute nachmittag haben alle Kinder in Schweden für eine Woche „Höstlov“, also Herbstferien. Wahrlich - der Herbst hat nun definitiv seinen Schleier über Småland gelegt; es ist windig, kälter und feucht - aber wir sind unendlich dankbar für jeden Tropfen Regen. So hiess es also die letzten Tage viele Vor-Winterarbeiten draussen zu erledigen - Sommerleitungen aufrollen, Boot einwintern, den Stall freiräumen, dass die Silage Platz finden wird, Holz auffüllen ect. Der erste Frost war da, die ersten Schneeflocken sind gefallen und letzte Nacht zog es uns mächtig um die Ohren! Wir erwägen den Kauf einer Wärmepumpe für unser Haus - doch wir werden sehen…..

Die letzten Wochen zählen zu den intensivsten unseres Lebens - sie erscheinen mir ähnlich intensiv wie damals die Wochenbett-Zeit :-) Wir freuen uns daher sehr auf die hoffentlich ruhigen Höstlov und haben uns eine Familienwoche verordnet - am Morgen bitte nicht schon um 5.15 Uhr aufstehen, zusammen sein, geniessen, gemeinsam Schwedisch lernen und ganz wichtig, endlich ein Schneetaugliches Auto und Beleuchtung sowie die erste Jul-Deko für unsere Fenster organisieren!

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Wie bereits erwähnt ist hier extrem viel passiert! Ich werde es nicht schaffen, alles zu beschreiben, wer mir jedoch auf Facebook folgt, kennt all die wunderbaren Fotos! Aber bedenkt, meist teile ich natürlich nur die schönen, stimmungsvollen und lässigen Fotos und Berichte mit der Welt da draussen! ;-) 

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Heinrich weilte diesen Herbst also für zweimal zwei Wochen in der Schweiz und er hat es wahrlich genossen, seiner Passion, dem Dozieren und Unterrichten zu frönen, bekannte Gesichter zu treffen, zu fachsimpeln, Freunde und Familie zu besuchen, mit Lama Kunsang zu arbeiten und sich die Haare professionell zu Wikinger-Zöpfen flechten zu lassen :-) 

Morgen kommt er zurück und wir sind gespannt auf alle Neuigkeiten aus der Schweiz.





Hier allein auf Juvengård zu sein, allein mit der ganzen Verantwortung für Kinder, Tiere, Haus und Hof auf den Schultern, war nicht immer ganz so leicht für mich und dementsprechend verspannt fühlt sich mein Nacken an - ich freue mich daher auf eine entspannende Willkommens-Sauna mit Heinrich. Jeder Tag stellte mich vor neue Herausforderungen und der Alltag testet mich gerade sehr! Ich weiss nun also sicher, dass ich perfekt Feuer machen kann, im Notfall wohl sogar eine Autobatterie wechseln und eine Motorsäge bedienen könnte, Quad fahren ist eh schon leicht, Sicherungen wechseln, Schlösser enteisen, auf Schwedisch mit der Polizei, der Bank, der Schule oder der Vårdcentral konversieren geht also auch - wenn auch notgedrungen…. Mein diszipliniertes physisches Training und jede Therapiesitzung in den letzten CH-Monaten ist nun Gold wert! DANKE!

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Oft schaue ich nachts zum Fenster hinaus und sehe nichts weiter als dunkle, tiefe, schwarze Nacht - zu Neumond und bei bedecktem Himmel war diese tiefe Schwärze, das Nichts extrem. So dunkle Ecken muss man in der dicht besiedelten Schweiz fast schon suchen…. da überkommt einem schon mal ein mulmiges Gefühl - aber gleichzeitig fühle ich mich immer auch extrem dankbar, in diesem Wunder von Universum, auf diesem wunderbaren Fleck Erde, genau hier und heute atmen, leben, wirken und lieben zu dürfen…..


I live in a beautiful body * I go with an open mind      

a loving heartbeat within me * the best place for my soul to find 

to walk on this beautiful planet * under the open sky 

nourished by sweet loving water * so i will no more deny


Diese Zeilen haben wir so vielen Menschen zum Abschied zusammen mit unserer Adresse in die Hand gedrückt, es wurde zu meinem täglichen Mantra da und hier und ich durfte sie bei meinem Übergangsritual im Frauenchor singen - welch wunderbares Geschenk haben die Frauen mir da ermöglicht und mitgegeben! Apropos Geschenk; von genau diesen tollen Frauen habe ich für jeden Monat des ersten Jahres hier ein Geschenk erhalten…. ich sage euch, es ist immer ein riesiges Fest am Ersten des Monats (juhui, nächste Woche wieder…) ein Geschenk zu öffnen! Flurina „vergizzelt“ immer fast und ich bin gespannt, was zum Vorschein kommt und von wem es wohl ist! Gut, ich bräuchte es wohl nicht so genau zu schreiben, ihr werdet wissen, wie dieses Szenario jeweils endet?! Ich sitze hier, im linken Auge Tränen der Freude und Dankbarkeit, im rechten Tränen des Abschiedschmerzes und etwas Sehnsucht und bin tief berührt über die meist extrem persönlichen, wertschätzenden Zeilen und die so bewusst und passend ausgewählten Geschenke…. welch wunderbare Ideen, welch wunderbare Zeichen der Verbundenheit über die Grenzen und Distanz hinweg wurden mir da mitgegeben! Frauen, das gemeinsame Singen und ihr alle fehlt mir….

Vielleicht könnt ihr es zwischen den Zeilen lesen - zum ersten Mal seit rund 3,5 Monaten herrscht hier etwas „Heimweh-Stimmung“ - die Euphorie und der Zauber des Neuanfangs sind etwas verflogen, es ist Alltag eingekehrt, die Müdigkeit des Herbst hält Einzug und wir spüren auch, wieviel wir hier in den ersten Wochen körperlich und seelisch geleistet haben - und das ist gut so! Es darf ruhiger werden, es darf alles etwas abflauen und wir dürfen müde sein…. So gibt es mehr Zeit zum Innehalten, vor dem Kamin liegen, zum neu ordnen, zum Email’s beantworten, Formalitäten erledigen UND zum Schwedisch lernen :-) 

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Letzte Woche fanden beim SFI ( Svenska för invandrare) die nationalen Prüfungen statt. Da wird geprüft, ob man das Niveau der jeweiligen Stufe schon erreicht hat und allenfalls aufsteigen kann! Da ich „väldigt duktigt“ gearbeitet habe (das Lernen in all den Monaten vor Schweden zahlt sich nun aus!) durfte ich nach dem Introduktionskurs gleich ins C-Modul einsteigen, ich meine, dies entspricht etwa dem europäischen A2 Niveau. Nach gut 4 Wochen habe ich also nun auf dieser Stufe die Test geschrieben und es gefühlsmässig wohl ganz gut hingekriegt! Es wird sich zeigen, ob ich nach den Ferien in den D-Kurs darf …. Die Sprache zu lernen ist unabdingbar, sie öffnet Tür und Tor, im Alltag und in die Gesellschaft und ebenso bringt sie leichter ein Verständnis für die Mentalität und schafft leichter Zugang zu den Herzen der Menschen! Für mich als Sprachfanatikerin und vermeintliche Plaudertasche ist es allerdings gerade noch recht frustrierend, ich hätte nämlich soviel mehr zu sagen als es mein Wortschatz vermag…. :-( umso motivierter lerne ich also täglich Schwedisch und freue mich über jeden Satz mehr, den ich mit dem Busfahrer, dem Kassier im Coop (den gibt es hier auch!) oder mit den Lehrpersonen wechseln kann. Sehr berührt bin ich durch den SFI auch von all den Geschichten der unzähligen Flüchtlinge - auch auf dem Land, in unserem kleinen Mikrokosmos lässt einem das Weltgeschehen nicht kalt! Die Menschen, mit welchen ich mich austauschen kann und darf erzählen mit wenigen Worten und mit viel Gefühl und ihren Augen vom Leid und Schmerz des Krieges, von der Sehnsucht nach Heimat, vom Unwissen, wie es ihren Liebsten geht und ob diese den jeweiligen Tag überleben ….. Da sitzen vom Analphabeten über die 8-köpfige Mutter bis hin zum Lehrer, Arzt oder Physiker die unterschiedlichsten Menschen neben mir und ich bin beeindruckt, wie gross teilweise die Motivation zum Lernen ist und kann nur erahnen, wie schwer es für arabisch- oder Tigrinya-sprechende Menschen sein muss Schwedisch zu lernen! Ich jedenfalls sähe sehr alt aus, wenn ich im selben Tempo Arabisch lernen müsste…… Wenn ich da so zurück denke an meine politischen Aktivitäten in der Schweiz oder all die rechts-populistische Propaganda in den Medien (ja, solche Stimmen gibt es auch in Schweden)… so bin ich dankbar, ich habe wieder so einiges dazugelernt in den letzten Wochen! 

Die räumliche Veränderung schafft, ermöglicht und erfordert aber auch ein grosses Mass an innerer Veränderung! Wir gehen als Wesen, als Familie und auch als Paar gerade durch anspruchsvolle Zeiten, stehen in einem interessanten, aber auch fordernden Prozess miteinander -  aber glücklicherweise sind es frei gewählte Zeiten des Wachstum und der Herausforderung! Wie kann man freiwillig aus der reichen, wunderschönen Schweiz nach Schweden kommen - dies ist wohl die am häufigsten an uns gestellte Frage hier - sowohl die Schweden sowie viele der Flüchtlinge können dies kaum nachvollziehen. In meiner mündlichen Prüfung am Mittwoch frage mich die SFI-Lehrerin, was mich dazu bewogen hat, ein grosses, modernes, stets warmes und gut beheiztes CH-Haus gegen „ett litet, rött, gammalt svenskt hus“, wo es gerade durch alle Ritzen zieht, einzutauschen…… 

Diese Fragen zu beantworten ist nicht immer leicht - die Liste der Pro und Kontras ist lang, aber die Antworten des Herzen’s, der Seele sind immer so klar, dass es keine grossen Diskussionen braucht!

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Somit möchte ich für heute hier ebenfalls schliessen und mich bedanken bei allen, welche unser Wirken und unser Sein hier mitverfolgen, mit ihren Gedanken mittragen und unterstützen! Wir freuen uns über eure Zeichen, über Post und Pakete mit warmen Wollsocken und Filzpantoffeln, mit Handschuhen, Bambu Getreidekaffee und Lindorkugeln oder einer richtigen Servelat - von all diesen Sachen können wir hier kaum genug haben! :-) :-)

Spass beiseite - denn - denkt daran - unser grosses, gut beheiztes CH-Haus ist noch immer zu verkaufen…

Ha det så bra! Vi ses och tack för idag!

Jeannette


PS: wie gesagt, folgt uns auf Facebook; sowohl Heinrich wie auch ich sind momentan sehr aktiv da oder erfahrt alles über unsere neuen Projekte in der Schweiz oder auf Juvengård !

Wem unser tolles neues Logo aufgefallen ist; Jessica Loi und ihre Arbeiten sind wärmstens zu empfehlen!

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